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Henrichenburg

Wir schreiben den Monat August 2023 und blicken nun auf die rund 760-jährige Geschichte Henrichenburgs zurück.

Der Name Henrichenburg resultiert aus der Namensgebung der gleichnamigen Burg, die erstmals im Jahre 1263 urkundlich erwähnt wurde.

Die Gemeinde Henrichenburg, gelegen an der Bundesautobahn A2 und dem Rhein-Herne-Kanal, im Kreis Recklinghausen, ist der nördlichste Stadtteil der Europastadt Castrop-Rauxel. Erst im Jahre 1975 wurde Henrichenburg, aufgrund der kommunalen Neugliederung, zu einem Stadtteil der Europastadt, vormals gehörte der Landstrich zur Stadt Waltrop. Besonders stolz sind die Menschen in Henrichenburg auf ihre eigene telefonische Vorwahl 02367, die trotz Eingemeindung nach Castrop-Rauxel ihren Fortbestand behielt – die alte Postleitzahl 4620 entfiel jedoch leider im Rahmen der Neuorganisationen der Postleitzahlen.

Im südlichen Teil der Gemeinde Henrichenburg befindet sich der historisch gewachsene Ortskern, neben der Ortsmitte gehören die Gemeindeteile Becklem und Borghagen ebenfalls zum nördlichsten Landstrich der Stadt Castrop-Rauxel. Flächenmäßig stellt Becklem mehr als die Hälfte der Fläche Henrichenburgs, etwa ein Viertel der Fläche der Gemeinde Henrichenburg wird als Borghagen bezeichnet. Die Gesamtfläche der Gemeinde beträgt knapp 7,4 Quadratkilometer, auf der rund 5.150 Menschen leben. 

Das im Jahre 1937 durch den Oberpräsidenten Westfalens verliehene Ortswappen von Henrichenburg ist angelehnt an die Familie von Düngelen, die von 1382 bis 1480 die Burg Henrichenburg in ihrem Besitz hatte und ebenso Schlossherren des Schloss Bladenhorst waren.  Das Henrichenburger Wappen zeigt einen von „links oben“ nach „rechts unten“ verlaufenden schwarzen Balken, versehen ist der Balken mit drei goldenen Rauten. Im rechten oberen Teil des Wappens wird ein Boot gezeigt, ebenso zeigt das Wappen ein Boot im linken unteren Teil, die Darstellung der Boote ist eine Anlehnung an das Schiffshebewerk Henrichenburg.

Henrichenburg verfügt schon seit langer Zeit über eine sehr gute infrastrukturelle Anbindung. Neben dem alten Schiffshebewerk erhielt die Gemeinde bereits im Jahre 1911 die Anbindung in das Umland, mit der Eröffnung einer Straßenbahnverbindung nach Castrop-Rauxel. Am 12. November 1938 wurde zudem der erste Abschnitt der Reichsautobahn, der heutigen Bundesautobahn A2 eröffnet.

Burg Henrichenburg

Die Burg Henrichenburg ist Namensgeber unserer Gemeinde. Das historische Burggelände liegt in unmittelbarer Nähe zum Rhein-Herne-Kanal und der Wartburg und grenzt zudem an die Freiheitstraße.

Die erste urkundliche Erwähnung der Henrichenburg aus dem Jahre 1263 weist Arnold Ritter von Henrichenburg als Besitzer aus.  

Im Jahr 1382 nahm die Familie von Düngelen die Burg in ihren Besitz. Knapp 100 Jahre später, im Jahre 1480, wurde die Burg, im Rahmen einer Erbschaft, das Eigentum von Arnold von Gysenberg. Lange Zeit befand sich die Henrichenburg im Besitz der Familie Gysenberg, erst der letzte Gysenberg hinterließ die Burg seinem Großneffen Clemens von Westerholt und es begann eine neue Ära.

Im Jahre 1775 veräußerte der Freiherr von Boenen, der durch Eheschließung das Eigentum an der Henrichenburg erlangte, die Burg für 108.000 Reichstaler an die Fürstäbtissin von Essen Fürstin Franziska Christine von Pfalz-Sulzbach. Nach dem Tod der Fürstäbtissin im Jahre 1776 wurde die Burg in die Fürstin-Franziska-Christine-Stiftung überführt, Besitzerin und Nutznießerin war fortan das Waisenhaus Essen-Steele. Im Jahre 1787 hatte die Henrichenburg ihre besten Jahre hinter sich und somit wurde die baufällige Burg abgerissen und dem Boden gleich gemacht. 

Mehr als 200 Jahre geriet die Burg in Vergessenheit, erst im Jahre 1994 sorgte die Henrichenburg wieder für Aufsehen. Auf dem ehemaligen Burggelände sollte ein Neubaugebiet entstehen, im Rahmen der Bodenarbeiten stieß man auf das Fundament der ehemaligen Burg. Zahlreiche Relikte, alte Wasserleitungen und das Burgfundament traten zu Tage, der sagenumwobene Silberschatz der Henrichenburg wurde jedoch nicht gefunden. Vielleicht ist die Geschichte rund um den Silberschatz nur eine Legende. Der kulturell und historisch wertvolle „Burgfund“ wurde dokumentiert und das Neubauvorhaben gestoppt. Das Fundament der Burg wurde nach der Katalogisierung wieder mit Erdreich bedeckt und anschließend bepflanzt und fungiert heute als Bodendenkmal.

Das heutige Bodendenkmal besteht aus Hecken, die die Umrisse der ehemaligen Burg zeigen. Unterbrechungen und Lücken zwischen den Hecken markieren Durchgänge und Türen der ehemaligen Henrichenburg. Zusätzlich markieren drei hohe Baumgruppen die Türme des ehemaligen Burggebäudes. Umgeben ist die ehemalige Burg von einem Burggraben, das Bodendenkmal der historischen Burg kann über eine Holzbrücke betreten werden.

Postkarte: der Burg Henrichenburg

Haus Henrichenburg und das Denkmal der Burg Henrichenburg mit Mühlstein

Neben dem Bodendenkmal sollte auch das Gutshaus Henrichenburg, erbaut im Jahre 1787, Erwähnung finden. Das auch als Haus Henrichenburg bekannte Anwesen befindet sich an der Freiheitstraße, in Sichtweite und nur wenige Schritte vom Bodendenkmal entfernt.

Das Haus Henrichenburg kann eine eindrucksvolle Historie aufweisen und gilt als Geburtshaus der Schriftstellerin und Sängerin Hedwig Kiesekamp, die am 21. Juli 1844 im Haus Henrichenburg das Licht der Welt erblickte.

Durch einen Brand gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden Teile des Gutshauses zerstört und anschließend wieder aufgebaut.

Einige Menschen in Henrichenburg erinnern sich bestimmt noch gut daran, dass das Areal des Gutshauses, insbesondere in den 1970er und 1980er Jahren, durch die Familie Schmidts als Bauernhof bewirtschaftet wurde, zusätzlich nutzte die Familie Schmidts auch die Fläche des heutigen Bodendenkmals der Burg Henrichenburg als Getreidefeld.

Das Haus Henrichenburg, mit seinem schönen Halbwalmdach und Glockenturm, steht seit 1985 unter Denkmalschutz und wurde zu Beginn des 21. Jahrhunderts aufwendig saniert.

Eine weitere Attraktion der Henrichenburger Zeitgeschichte möchte ich gerne erwähnen. Es handelt sich um einen historischen Mühlstein und eine Gedenktafel zu Ehren der Burg Henrichenburg. Der Mühlstein, der nach Überlieferungen eine lange Historie aufweisen soll, die Gedenktafel und ein Abbild des Heiligen Lambertus befinden sich nur wenige Meter vom Haus Henrichenburg entfernt. Dort, wo die Straßen „In der Stühe“ und „Am Friedhof“ aufeinandertreffen, sind die Werke zu bewundern.

Natur- und Wasser-Erlebnis-Park Emscherland

Ein Glanzpunkt unserer Region ist der Erlebnispark „Emscherland“ mit der prächtigen Fußgänger- und Radfahrerbrücke, die den Namen „Sprung über die Emscher“ trägt. Die 412 Meter lange Brücke wurde, unter Verwendung von rund 900 Tonnen Stahl, als Zügelgurtbrücke in doppelter S-Form konzipiert und offiziell am 30. September 2024 eingeweiht. Die prunkvolle Brücke verbindet Henrichenburg mit dem Parkgelände Emscherland. Aus Richtung Henrichenburg, überquert der Besucher das Bauwerk, dort wo das Emscher-Flusssystem zweimal, den Rhein-Herne-Kanal kreuzt und unter dem Rhein-Herne-Kanal hindurchströmt.

Über den „Sprung über die Emscher“ erreicht der Besucher den angrenzenden, rund 30 Hektar großen, Landschafts- und Erlebnispark Emscherland. Die Parkanlage im Emschertal ist eine Wohlfühloase mit Auelandschaften, Streuobstwiesen, Staudenbeeten sowie vielen weiteren Attraktionen. Ein besonderes Highlight im Emscherland ist eine bewachsene Anhöhe, die über Treppen oder einen Radfahrweg zu erreichen ist und einen wunderschönen Ausblick in das Umland ermöglicht. Besonders zu empfehlen sind die Sonnenuntergänge, die den Besuch auf dem kleinen Berg zu einem ganz besonderen Erlebnis machen können.

Altes Schiffshebewerk Henrichenburg–

Nach einer Bauzeit von rund fünf Jahren wurde am 11. August 1899 das Schiffshebewerk Henrichenburg, im Rahmen einer feierlichen Einweihungsfeier, von Kaiser Wilhelm II. eingeweiht und anschließend der Betrieb aufgenommen. Die Türme des rund 2,5 Millionen Mark teuren Bauwerks werden durch einen preußischen Adler veredelt, der das Wappen der Preußen bereits seit dem Jahre 1701 ziert.

Als weltweit erstes Mehrschwimmer-Schiffshebewerk seiner Art verrichtete die Anlage, zusammen mit einer weiteren Schachtschleuse, bis zum Jahre 1962 respektive 1969 zuverlässig ihren Dienst.

Das am Dortmund-Ems-Kanal gelegene Schiffshebewerk Henrichenburg war integraler Bestandteil des Wasserwegesystems im Ruhrgebiet und ermöglichte einen neuen Beförderungsweg, um die aufstrebende Industrialisierung gegen Ende des 19. Jahrhunderts und die fortschreitende Expansion im 20. Jahrhundert zu bewerkstelligen.

Aber warum war der Bau eines Schiffshebewerkes in Henrichenburg nötig? Die Erklärung hierfür ist ganz einfach – beim Befahren der Wasserstraße mussten die Schiffe in Henrichenburg einen Höhenunterschied von 14 Metern bewältigen, dass neu errichtete Schiffshebewerk, als „Fahrstuhl für Schiffe“, benötigte hierfür etwa zweieinhalb Minuten.

Wie funktionierte das Schiffshebewerk und warum war das Schiffshebewerk Henrichenburg so revolutionär? Der 68 Meter lange Trog des imposanten Senkrechtschiffshebewerks, lag auf Auftriebs- respektive Schwimmkörpern in mit Wasser gefüllten Zylindern. Das Gesamtgewicht für die zu bewegende Stahlkonstruktion, samt Inhalt, betrug rund 3.050 Tonnen.

Relevant für die Funktionsfähigkeit des Hebewerks war und ist das Prinzip „Auftrieb durch Verdrängung“ das im archimedischen Prinzip beschrieben wird, respektive die Schwimmfähigkeit eines Gegenstandes. Nachdem das Schiffshebewerk Henrichenburg im Jahre 1970 endgültig „in den Ruhestand versetzt wurde“, verfiel das historisch wertvolle Bauwerk zusehends. Neues Leben wurde dem Schiffshebewerk zwischen 1982 und 1992 eingehaucht. Die Betriebstätigkeit wurde zwar nicht wieder aufgenommen, aber das Schiffshebewerk Henrichenburg, samt dem angrenzenden Gelände, wurde zu einem Freizeitareal und Industriemuseum umgewandelt. Heute gilt „unser Schiffshebewerk Henrichenburg“ als ein sehr beliebtes Ausflugsziel und macht Henrichenburg deutschlandweit bekannt.

Bedanken möchte ich mich bei Theresa und meinem Rudelführer für die
Dossier-Erstellung „Informationen zu meiner Heimat“
Euer NEGRO