Der Winter gehört nicht zu meiner favorisierten Jahreszeit, auch wenn ich als Christkind an einem Wintertag das Licht der Welt erblickt habe. Die Wintertage sind häufig kalt und nass, was den Spaßfaktor während meiner Schnüffeltouren deutlich reduziert.
Während der Winterzeit darf ich morgens immer etwas länger schlafen, erst um kurz nach acht Uhr schlage ich heute meine Äuglein auf.
Zunächst strecke und recke ich meine Pfötchen, ich hebe leicht meinen Kopf, der aber schnell wieder auf mein Kissen zurückfällt. Es ist halt sehr schwer an einem kalten Wintertag sein warmes Schlafgemach zu verlassen. Eine weitere Streckübung wird immer wieder von intensivem Gähnen unterbrochen, bis ich endgültig mein Bettchen verlasse.
Der erste Gang am heutigen Morgen geht in Richtung Küche und ich schaue durch die Küchentürscheibe auf die Terrasse, wie es heute „wettertechnisch“ aussieht – der Himmel ist grau und es liegt Schnee.
Nach einem anschließenden Rundgang durch das warme Wohnzimmer fordert mich mein Rudelmitglied zur ersten morgendlichen „Pipi-mach-Runde“ auf. Nur widerwillig lasse ich mir mein Wintermäntelchen anlegen – ich versuche den Gang ins Freie möglichst lange hinauszuzögern, jedoch ohne großen Erfolg. Nach einer strengen Ermahnung geht es nun hinaus auf die vereiste und rutschige Terrasse. Meine erste „Gassi-Runde“ am heutigen Morgen führt mich in den archäologischen Landschaftspark der Burg Henrichenburg, der Park grenzt unmittelbar an meinen Rudelgarten. Tapfer stapfe ich auf den verschneiten Wegen des Burggeländes durch den Schnee, anschließend geht es auf dem Fußgängerweg entlang der Freiheitstraße und zurück durch mein geliebtes Burggelände zum heimischen Rudelareal.
Nach meiner Rückkehr in die warme Rudelküche ist mein Frühstück schon zubereitet und wartet auf mich, der erste wirkliche Höhepunkt des Tages.
Nach dem leckeren Frühstück zieht es mich erneut in das warme Wohnzimmer, seit einigen Tagen steht dort ein grüner Nadelbaum, der gut duftet und vor der Tanne steht ein kleiner Holzkasten mit Stroh und Figuren. Alles sehr interessant für mich, ich schnüffel etwas herum und werfe einige der kleinen Figuren um. Böse Blicke eines Rudelmitglieds und ein deutliches „NEIN“ begleiten meine Aktivitäten. Naja, dann lege ich mich halt etwas unter den Wohnzimmertisch.
Ich mache nun eine kleine Pause und denke an den vorherigen Abend zurück, da waren rund um den Baum kleine Päckchen mit Schleifen platziert. Die Päckchen hatten eine magische Anziehungskraft auf mich und am späteren Abend habe ich das Päckchenpapier von meinem Rudelführer bekommen und in kleinste Teile zerfetzt und anschließend die kleinen Papierstückchen im gesamten Wohnzimmer verteilt – das war ein riesiger Spaß. Unterbrochen werden meine Erinnerungen durch die Aufforderung zur nächsten „Gassi-Runde“.
Der nächste Spaziergang startet wiederum im Burggelände, anschließend geht es über den Wanderweg am Rhein-Herne-Kanal weiter zum Sportplatz in Henrichenburg. Meine Motivationslage bei diesem Spaziergang ist wiederum nicht sehr hoch. Trotz des warmen „Teckel-Mäntelchens“ ist mir etwas kalt und schnüffeln bei schneebedecktem Boden und eisigen Temperaturen macht mir wenig Spaß. Zusätzlich sind meine Pfötchen fast eingefroren. Durch die Ortschaft Henrichenburg geht es sodann zurück in Richtung Heimat.
Bei meiner Rückkehr werde ich zunächst ordentlich abgetrocknet und meine Pfötchen werden „enteist“. Nach der lästigen Prozedur wird in der Küche zunächst mein Fell ordentlich ausgeschüttelt und dann renne ich in das Wohnzimmer und reibe mein noch leicht feuchtes Fell auf dem Teppich trocken. Anschließend genieße ich eine wohlverdiente Pause unter dem Wohnzimmertisch.
Plötzlich öffnet sich die Eingangstür im Flur und mein Rudelführer kommt hinein. Ich springe auf und renne zu ihm, er begrüßt mich freundlich mit „HAPPY BIRTHDAY NEGRO“ – offensichtlich ist heute mein Geburtstag. Ich bekomme ein kleines Leckerchen und ein Bällchen das in Papier eingewickelt ist. Zunächst zerreiße ich das Papier und dann wird der kleine Ball durch das Wohnzimmer gerollt, ein wirklich großer Spaß.
Noch wichtiger als mein Geburtstagsgeschenk sind aber die folgenden Streicheleinheiten – wir setzen uns dazu auf den Wohnzimmerteppich und ich werde toll gestreichelt und gekrault. Ich lege mich zwischendurch immer wieder auf den Rücken, damit auch meine Brust gekrault werden kann. Nach der ausgiebigen Streicheleinheit gehe ich in die Küche, lege mich in mein Körbchen und beobachte die häuslichen Aktivitäten meiner Rudelmitglieder.
Am Mittag steht der nächste Spaziergang auf dem Programm. Es hatte wieder etwas geschneit und es schneite noch immer, mit meinen kurzen Beinchen stapfe ich durch den Schnee und versuche einige Schneeflocken zu fangen. Mittlerweile ist der Schnee für mich sehr hoch, insbesondere auf den Wegen im Burggelände und entlang des Kanals sacke ich tief in den Schnee ein. Der Schnee vermiest mir meine „Teckelfreuden“, aber ich ertrage meinen Spaziergang tapfer. Am Rhein-Herne-Kanal treffe ich einige Artgenossen, die ich freundlich begrüße. Noch eine Runde durch das Wäldchen am Friedhof und dann geht es, Gott sei Dank, zurück nach Hause.
Endlich gibt es Mittagessen, nach den anstrengenden Spaziergängen habe ich mir meine Mahlzeit redlich verdient. Schnell ist mein Napf leer und dann folgt das nächste Ritual. Ich renne in den Flur, dort werden auf dem Teppich zunächst meine Barthaare geputzt.
Nachdem auch mein Rudelführer gegessen hatte, gibt es nun eine weitere Streicheleinheit, wir setzen uns dazu auf den Wohnzimmerteppich und das „Teckel-Wellness-Programm“ startet. Nach den Streicheleinheiten darf ich auf unsere Wohnzimmercouch. Ich werde auf die Couch gehoben, ordentlich mit meiner Decke zugedeckt und es folgt ein langer Mittagsschlaf im Rudelverbund.
Am späten Nachmittag kommt mein Rudelführer zurück zu mir und er fragt mich, ob wir etwas „Gassigehen“. Was tut man als gut erzogener Teckel seinem Rudelführer zur Liebe nicht alles. Natürlich „machen wir unsere Runde“, auch wenn das im Winter kein echter Spaß ist, aber das sagte ich ja schon. Rein ins Mäntelchen und los geht’s.
Es ist zwar schon etwas dunkel, aber wir „drehen unsere Runde“ durch den Schnee. Es ist kalt und nass, aber wir haben trotzdem unseren Spaß und das ist die Hauptsache. Völlig durchgefroren kehren wir nach Hause zurück und es folgt wieder die lästige Prozedur des „Abtrocknens“ und des „Pfötchenreinigens“. Ich ertrage die Routine mit der typischen Gelassenheit eines Teckels, im Anschluss gibt es ein Leckerchen als Belohnung.
Nach einer Pause in meinem Körbchen erhalte ich mein Abendessen und dann geht es ins Wohnzimmer. Was kann man an so einem kalten Winterabend machen? Richtig – fernsehschauen und dabei dösen und gekrault werden. Auf dem Wohnzimmerteppich lege ich mich in mein Bettchen, das mein Rudelführer extra für mich aus der Küche geholt hat und „eingemummelt“ in meine Kuscheldecke streichelt er mich. Die Ruhe wird jäh unterbrochen – Was ist das??? Im Fernseher, ein Hund der bellt! Ich rege mich mächtig auf, ich kläffe und knurre, was will der Vierbeiner in meinem Wohnzimmer? Mein Rudelführer beruhigt mich und nach kurzer Zeit ist der Störenfried wieder verschwunden und wir setzen unsere Streicheleinheit fort. Kurz vor Tagesende muss ich doch noch einmal „Raus in die Kälte“, ein letzter Spaziergang durch das Burggelände und entlang der Freiheitstraße. Es ist wieder sehr kalt, aber meine „Winterausrüstung“ schützt meinen kleinen Körper ja etwas vor Nässe und Kälte, nur meine Pfötchen sind jetzt wieder ordentlich „vereist“. Nun ja, nach Beendigung des Spaziergangs werde ich wiederum abgetrocknet, meine Pfötchen werden gereinigt und etwas eingecremt und somit endet mein Geburtstag in meinem Bettchen.

